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K'iche' Maya

Das K'iche' ist mit über 1,5 Millionen Sprecher (genaue Zahlen variieren) die meistgesprochene Mayasprache und die größte indigene Sprechergemeinschaft Mittelamerikas. Gesprochen wird K'iche' heute im zentralen Hochland und in einigen Küstenregionen Guatemalas (siehe Abbildung 1). Das Verbreitungsgebiet umfasst die departamentos El Quiché, Sololá, Totonicapán, Quetzaltenango, San Marcos, Retauleuh, Suchitepequéz und Baja Verapáz. Als Nachbarsprachen grenzen an das K'iche'-Gebiet die Mayasprachen Kaqchikel, Tz'utujil, Mam, Awakateko, Sakapulteko, Ixil, Uspanteko und Poqomchi' an.

 

Übersicht:

I.   Allgemeine Einführung
II.  K'iche' in Bonn
III. Orthographie
IV. Sprachstruktur
V.  Koloniales K'iche'
VI. Sprachbeispiel

 

I. Allgemeine Einführung 

Das K'iche' gehört zum östlichen Zweig der Mayasprachen und hier zusammen mit Kaqchikel, Tz'utujil, Sakapulteko und Sipakapense zum Unterzweig der K'iche'-Sprachen (siehe Abbildung 2). Das Achi, das in der Baja Verapaz gesprochen wird, wird aus politisch-historischen Gründen in Guatemala gern als eigene Sprache definiert, ist aber linguistisch gesehen eine Dialektvariante des K'iche'.

 

Abbildung 1: Sprachkarte

Sprachkarte 

 

Abbildung 2: Sprachbaum der Hochland Mayasprachen

Sprachbaum_Hochland

 

Das K'iche' selber weist verschiedene regionale Ausprägungen auf; eine Hochsprache existiert nicht. Seit den 1990er Jahren unternehmen mayasprachige Linguisten in Guatemala den Versuch einer Sprachstandardisierung und erarbeiten hierzu Wörterbücher, Grammatiken und andere Sprachmaterialien.

 

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II. K'iche' in Bonn

Siis Ib'ooy

 


An der Abteilung Altamerikanistik ist K'iche' erst seit Mitte der neunziger Jahre ein regelmäßiger Bestandteil  des Curriculums. Die Sprachkurse führen zunächst in das moderne, heute gesprochene K'iche' ein. Kenntnisse der kolonialzeitlichen Variante werden dann in anschließenden Lektürekursen vermittelt, in denen u.a. Ausschnitte aus dem Popol Vuh gelesen werden.

Die K'iche'-Forschung hat in der deutschen Altamerikanistik eine lange Tradition, an welche die Bonner Abteilung mit verschiedenen Forschungsprojekten und Abschlussarbeiten anknüpft.

 

 

 

Bild: Die K'iche'-Linguistin Nikte' María Juliana Siis Ib'ooy zu Besuch an der Abteilung im Sommersemester 2008 (Aufnahme von Katharina Farys).

 

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III. Orthographie

1987 wurde durch die Academia de las Lenguas Mayas de Guatemala (ALMG) eine neue Orthographie für die Mayasprachen Guatemalas definiert. Die bis dahin übliche, koloniale Schreibweise des Sprachnamens <Quiché>, die auf dem spanischen Alphabet basiert und zum Teil bis heute Verwendung findet, wurde offiziell durch die Schreibweise <K'iche'> bzw. <K'ichee'> abgelöst. Eine Übersicht der orthographischen Konventionen geben die folgenden Schemata:

 

 Konsonanten

 

 Vokale

 

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IV. Sprachstruktur

Mit seiner verhältnismäßig regelhaften Struktur ist das K'iche' gut geeignet, Studierenden einen Einblick in den Grundaufbau und die interne Funktionsweise von Mayasprachen zu geben. Mayasprachen haben eine komplexe Verbstruktur. Im K'iche' sind Subjekt und Objekt, Zeitaspekt und Verbmodus im Verb markiert. Intransitive und transitive Verben unterscheiden sich in der Verwendung unterschiedlicher Pronominalpräfixe sowie Modalsuffixe.

Das K'iche' ist wie die meisten Mayasprachen eine reine Ergativsprache. In Akkusativsprachen wird das Subjekt intransitiver und transitiver Verben durch das gleiche Pronomen angezeigt, während das Objekt separat markiert ist. In Ergativsprachen sind es hingegen das Subjekt des intransitiven und das Objekt des transitiven Verbes, die gleich sind, während das Subjekt des transitiven Verbes durch eine besondere Form angezeigt wird. Die Organisation der Argumente des verbalen Prädikats im K'iche' verdeutlicht das folgende Schema:

 

Ergativität

 

Als Ergativsprache unterscheidet K'iche' zwischen Aktiv, Passiv und Antipassiv als Aktionsformen des Verbes. 

Aktiv                           

katwilo                               "ich sehe dich"

Passiv

katil wumal "du wirst von mir gesehen"

Antipassiv                   

kinilow awech "ich bin derjenige, der dich sieht"

  


K'iche' unterscheidet wie andere Mayasprachen keine absoluten Zeiten (Tempora), sondern Handlungsaspekte.

 

Inkompletiv                   

kinwarik                             "ich schlafe" (Handlung unvollendet)

Kompletiv                    

xinwarik "ich schlief" (Handlung vollendet)

Potential

xchinwarik "ich werde schlafen" (Handlung noch nicht begonnen)

 


Das K'iche' weist eine Vielzahl produktiver Wortbildungsprozesse in Form von Derivation und Komposition auf. Aus dem transitiven Verb b'ano "machen, konstruieren" lassen sich u.a. folgende Formen ableiten:

 

Partizip/Adjektiv             

b'an-om 

"gemacht"                                                         
Adjektivierung

b'an-a'n                            

"machbar"
Agentiv

b'an-ol

"derjenige, der etwas macht"
Substantivierung

b'an-o'n

"das Gemachte"
Verbalsubstantiv

b'an-iik

"das Gemachtwerden"

Instrumental/Lokativ     

b'an-ib'al

"Instrument/Ort, mit/an dem etw. gemacht wird"

 


Es gibt im K'iche' eine Vielzahl an Positionalwurzeln, die die Position bzw. den Zustand eines Objekts/einer Handlung anzeigen und aus denen mittels Derivationsprozessen Adjektive, Nominale und Verben abgeleitet werden können.

Typisch für Mayasprachen sind die nominalen Kategorien, die obligatorisch mit einem Possessiv markiert sind. Hierzu gehören Verwandtschaftsbegriffe, Körperteilbezeichnungen, Abstraktive und Relationale Substantive. Ferner gibt es komplexe Präpositionen, die aus Körperteilbezeichnungen gebildet werden. Darüber hinaus gibt es im K'iche' eine eigene Wortklasse von Direktionalen, die die Handlungsrichtung anzeigen.

Adjektive, Numerale und andere Modifikatoren stehen im K'iche' immer vor dem Substantiv. Die eigentliche Grundwortstellung ist VOS. Aus diskurspragmatischen Gründen finden sich jedoch häufiger die Wortstellungen VSO und SVO, wobei letztere möglicherweise einen Einfluss aus dem Spanischen darstellt.

 

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V. Koloniales K'iche'

Zur Zeit der spanischen Eroberung war das k'iche'-sprachige Königreich von Utatlán die zentrale politische Macht im Hochland und das K'iche' damit die dominante Sprache der Region. Der Landesname Guatemala leitet sich aus dem Nahuatl ab, das in der frühen Kolonialzeit als lingua franca diente. Die Form cuauhtemallan bedeutet 'Land vieler Bäume' und ist eine direkte Übersetzung des Begriffs k'iche', welcher sich aus dem Adjektiv k'i 'viel' und dem Substantiv che' 'Baum' zusammensetzt und die Bewohner der bewaldeten Hochlandgebiete bezeichnete.

Im Kontext der Eroberung und folgenden christlichen Mission entstand bereits in der frühen Kolonialzeit eine große Zahl k'iche'-sprachiger Textdokumente. Diese umfassen einerseits missionarslinguistische Quellen wie Wörterbücher, Grammatiken und christliche Lehrtexte und andererseits indigene Schriftstücke, die von K'iche'-Autoren verfasst wurden. Die indigene Oberschicht war durch die Missionierung weitgehend literat und setzte ihre Schriftkenntnisse gezielt ein, um gegenüber der Kolonialverwaltung Land- und Rechtsansprüche durchzusetzen. So entstanden Dokumente autochthoner Geschichtsschreibung (títulos) und Verwaltungsdokumente wie Urkunden, Testamente und Cofradía-Ordnungen.

Der bedeutendste dieser Texte ist das Popol Vuh, das wohl als das bekannteste mayasprachige Dokument überhaupt gelten darf. Der Text wurde Mitte des 16. Jahrhunderts erstmals aufgezeichnet und liegt uns in einer Abschrift vor, die Anfang des 18. Jahrhunderts von dem Dominikanerpater Francisco Ximénez angefertigt worden ist. Ximénez administrierte damals in Chichicastenango, wo er Einsicht in das wertvolle Dokument erhielt, welches von der Schöpfungsmythologie und vom Ursprung der K'iche' berichtet und heute als zentrale Quelle zum Verständnis vorspanischer Religion und Geschichtsvorstellungen gilt.

Weitere koloniale K'iche'-Textgenres umfassen u.a. Wahrsagekalender und Tanzdramen. Unter den Tanzdramen ist das sogenannte Rabinal Achi (Krieger von Rab'inal) das bekannteste. In dem Stück wird der Konflikt zwischen den K'iche' von Q'umarkaj (Utatlán) und den Achi von Rab'inal in der heutigen Baja Verapáz historisch verarbeitet.

Das koloniale K'iche' ist heutigen K'iche'-Sprechern nicht ohne Weiteres verständlich. Im Verlauf von fünfhundert Jahren haben in der Sprache –durchaus bedingt durch den Einfluss des Spanischen- Wandelprozesse im Bereich der Grammatik und auf der Ebene der Wortbedeutung stattgefunden. Zur Erschließung von kolonialen K'iche'-Texten muss daher unter anderem auf kolonialzeitliche Wörterbücher zurückgegriffen werden.

 

                                                                                                                                                                                                                                                       Bild: Erste Seite des Popol Vuh 
                                                                                                                                                                                                                                                      (Quelle: Ohio State University Libraries,
                                                                                                                                                                                                                                                         http://library.osu.edu/projects/popolwuj/)

 

 

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VI. Sprachbeispiel

Die hier nachfolgend analysierte Audioaufnahme wurde im Mai 2010 von Lena Voigtländer in Quetzaltenango, Guatemala, dokumentiert. Die K'iche'-Sprecherin Elena Tambriz aus Nahualá (Dept. Sololá), die selbst neben K'iche' und Spanisch auch Englisch spricht, war so freundlich, kurze Geschichten zusammenzustellen und als Übungsmaterial für den K'iche'-Unterricht einzulesen. Sie erteilte uns ferner die Genehmigung, die Audioaufnahme der Geschichte Ri Saant Katalin im Sprachenportal der Abteilungs-Website zu veröffentlichen, wofür wir uns herzlich bedanken möchten:

 

Kaqatiyoxij che Elena Tambriz rumal che xuya' chqe ri tzijob'elil rech «Ri Saant Katalin»

 

Die Audioaufnahme wurde von Teilnehmern aus den letzten drei K'iche'-Sprachkursen in einem Workshop, der am 23. Juni 2011 unter der Leitung von Frauke Sachse durchgeführt wurde, transkribiert, analysiert und übersetzt. Mitgearbeitet haben (in alphabetischer Reihenfolge): Katharina Gahbler, Franziska Kölschbach, Felix Kupprat, Ilja Labischinski, Susen Lucke, Matthias Pache, Laura Poma Poma, Tobias Tenhaef, Lena Voigtländer und Eriko Yamasaki.

 

Audiobeispiel

 

 

 

 

Phonetische Transkription

 

[ri saːnt kataˈliˑn]

[ʔaˈreʔ taq ˌšnukʹmaˈtax ri ˌtinaˈmit naˈwalʲ xaʔ]

[ri ʔaˈčiː weʔlʲ ¢oːkʰ čiʔlʲ niˈkʹax čik či ʔačˈxaːɓ]

[ˌškičoˈmaːx škiˈɓan ri saːnt kataˈliˑn]

[šeˈɓeː pa rĭ ˌkʹačeˈlaːx čuˌ¢ukuˈšik ri čeːʔ]

[reːč ˌkakiˈkox če ri saːnt]

[taˈxin kʹu ˌkakiˈčo]

[ʔaˈreʔ taq šaq kʹa teʔ škiˈlo xuːn čeːč ri čeːʔ]

[šaq kʹa teʔ špeː ri ʔuˈšaːq]

[siɓaˈlax kʹi ʔuˈšaːq šelʲ loq]

[ri ˌʔačiˈxaːɓ siɓaˈlax ˌškimaˈjo r͜i͜͜͜͜͜͜͜͜͜škiˈlo]

[ša kʹu xe ri͜͜ʔ škiˈkʹam lə ri čeːʔ ʔi škiˈɓan ri saːnt čeːč]

 

Transkription in moderner Orthographie

 

Ri Saant Katalin

Are' taq xnuk'mataj ri tinamit Nawal Ja',

ri achi We'l Tzok chi'l nik'aj chik chi achijaab'

xkichomaaj xkib'an ri saant katalin.

Xeb'ee pa ri k'achelaaj chutzukuxik ri chee'

reech kakikoj che ri saant.

Tajin k'u kakicho,

are taq xaq k'a te' xkilo jun cheech ri chee',

xaq k'a te' xpe ri uxaaq,

sib'alaj k'i uxaaq xel loq.

Ri achijaab' sib'alaj xkimayo ri xkilo.

Xa k'u je ri' xkik'am le ri chee' i xkib'an ri saant cheech.

 

 

Übersetzung

Die heilige Katharina
Als das Dorf Nahualá gegründet wurde, dachten der Herr Manuel Tzok' und gut die Hälfte der Männer daran, die Heilige Katharina zu erschaffen. Sie gingen in den Wald, um den Baum zu suchen, den sie für die Heilige(nfigur) verwenden (wollten). Sie waren gerade dabei auszuwählen, als sie plötzlich sahen, dass bei einem von den Bäumen einfach plötzlich Blätter wuchsen. Sehr viele Blätter kamen hervor. Die Männer wunderten sich sehr über das, was sie sahen. So kamen sie also einfach zu diesem Baum und machten die Heilige(nfigur) aus ihm.
  

 

 

Morphologische Textanalyse


Ri Saant Katalin
ART heilig Katharina
'Die heilige Katharina'

Are' taq x-Ø-nuk'ma-taj
KONJ:als KOM-3sA-VT:ordnen/gründen-PASS.KOM
'als gegründet wurde'

ri tinamit Nawal Ja'
ART Dorf N:Beseeltes/Zauber N:Wasser = Nahualá; Toponym
'das Dorf Nahualá,'

ri achi We'l Tzok
ART Mann Manuel Tzok
'der Herr Manuel Tzok'

chi'l nik'aj chik chi achi-jaab'
KONJ N:Hälfte ADV:schon PRÄP N:Mann-PL
'und schon die Hälfte von den Männern'

x-Ø-ki-chomaaj x-Ø-ki-b'an ri saant katalin.
KOM-3sA-3pE-VTD:erdenken KOM-3sA-3pE-VT:machen ART Heilige Katharina
'erdachten zu schaffen die Heilige Katharina.'

X-e-b'ee pa ri k'achelaaj
KOM-3pA-VI:gehen PRÄP ART N:Wald
'Sie gingen in den Wald,'

ch(i) u-tzuku-x-iik ri chee'
PRÄP 3sPOSS-VTD:suchen-PASS-VN ART N:Baum
'um zu suchen den Baum,'

r-eech ka-Ø-ki-koj che ri saant
3sPOSS-BEN INK-3sA-3pE-VT:benutzen DAT/3s ART Heilige
'den sie für die Heilige(nfigur) verwenden (wollten).'

Tajin k'u ka-Ø-ki-ch(a')-o
PROG PART INK-3sA-3pE-VT:auswählen
'Sie waren gerade dabei auszuwählen,'

are taq xaq k'a te' x-Ø-k-il-o
KONJ ADV ADV KOM-3sA-3pE-sehen-MOD
'als sie nur plötzlich sahen,'

jun cheech ri chee'
NUM:eins DAT/3s ART Baum
'dass bei einem von den Bäumen'

xaq k'a te' x-Ø-pe ri u-xaaq.
ADV ADV KOM-3sA-VI:kommen ART 3sPOSS-Blatt
'einfach plötzlich die Blätter kommen.'

Sib'alaj k'i u-xaaq x-Ø-el loq
ADV ADJ 3sPOSS-Blatt KOM-3sA-VI:herauskommen DIR:her
'Sehr viele Blätter kamen heraus/hervor.'

Ri achi-jaab' sib'alaj x-Ø-ki-mayo
ART Mann-PL ADV KOM-3sA-3pE-VT:wundern
'Die Männer wunderten sich sehr'

ri x-Ø-k-il-o
ART KOM-3sA-3pE-VT:sehen-MOD
'über das, was sie sahen.'

Xa k'u je ri' x-Ø-ki-k'am le ri' chee'
ADV PART ADV KOM-3sA-3pE-VT:erhalten/bekommen DEM Baum
'Nur nun so kamen sie zu diesem Baum'

i x-Ø-ki-b'an ri saant cheech
KONJ KOM-3sA-3pE-VT:machen ART Heilige DAT/3s
'und machten die Heilige(nfigur) aus ihm.'

  

 

 

Inhaltlicher Kontext der Geschichte

 

VelasDie kurze Geschichte verweist auf historische Ereignisse im Zusammenhang mit der Anerkennung der politischen Unabhängigkeit des Ortes Nahualá als eigenes Munizipalzentrum in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Nahualá gehörte ursprünglich zum municipio von Santa Catarina Ixtahuacán. Bedingt durch eine deutliche Bevölkerungszunahme zu Beginn des 19. Jahrhunderts, kam es zwischen der stetig wachsenden Siedlung Nahualá und dem Munizipalzentrum zu ständigen Konflikten. Die Nahualeños weigerten sich zunehmend, die Messe im 10 km entfernten Santa Catarina Ixtahuacán aufzusuchen und ihre Steuern zu leisten. 1865 kam es zu einem gewalttätigen Konflikt zwischen den Anhängern des aus Nahualá stammenden Gouverneurs Manuel Tzoc und denen des principal Miguel Salquil aus Santa Catarina Ixtahuacán. Viele Menschen starben in dieser Auseinandersetzung und die Regierung schickte das Militär, um die Ordnung wiederherzustellen. 1866 stellte Nahualá bei der Diözese den Antrag auf eine eigene Kirche und erhielt die Erlaubnis, eine Kapelle zu errichten, sowie die Zuteilung eines Hilfspriesters. Die religiöse Unabhängigkeit bereitete den Weg für die offizielle politische Separation von Santa Catarina am Ende des 19. Jahrhunderts. Auch nach der Separation kam es noch bis in die neunziger Jahre des 20. Jahrhunderts, insbesondere im Kontext von Landstreitigkeiten, zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen beiden municipios.


In den oralen Traditionen der beiden Orte werden die historischen Ereignisse recht unterschiedlich erinnert und verarbeitet. Während in Santa Catarina Ixtahuacán Geschichten erzählt werden, in denen Manuel Tzoc als Gesetzesbrecher dargestellt wird, erinnert man ihn in Nahualá als Gründervater und Kulturbringer. Eine Vielzahl von oralen Traditionen beschreiben dabei die Rolle von Tzoc bei der Schaffung einer eigenen Figur von der Heiligen Katharina, der Schutzpatronin von Ixtahuacán, für die neue Kirche von Nahualá. Der Legende nach soll er veranlasst haben, dass die Heiligenfigur aus dem Holz eines Baumes geschnitzt wurde, der Jahre zuvor gefällt worden war und urplötzlich wieder austrieb, was als Zeichen Gottes gedeutet wurde.
 

 


Literatur

McCreery, David
1994   Rural Guatemala 1760-1940. Stanford: Stanford University Press

Weisshaar, Emmerich & Rainer Hostnig (Hrsg.)
1995   Ojer Tzij: Erzählungen der Maya-Indianer Guatemalas aus dem Stamm der Quiché, Guatemala. GTZ 

 

 

Alle Texte: Frauke Sachse, 2011

 

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