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Christian W. R. Klingler

Die kulturelle Konstruktion von Emotionen bei den yukatekischen Maya

 

KlinglerSind Emotionen angeboren oder erlernt? Werden sie überall auf der Welt gleichermaßen erlebt oder gibt es kulturelle Unterschiede? Die Kognitionsethnologie vertritt diesbezüglich die Meinung, dass die komplexen biologischen Reaktionen unseres Körpers auf die Begebenheiten in unserer Umgebung erst dann als spezifische Emotionen wahrgenommen werden, wenn sie mit kognitiv prozessierten Interpretationsmodellen, sogenannten Emotions-Schemata, verknüpft sind. Besitzen Menschen kein kulturell vermitteltes Emotions-Schema, so bleiben die physiologischen Aktivitäten ihres Körpers der bewussten Erfahrung verschlossen und werden folglich auch nur unspezifisch, d.h. in somatischer Form wahrgenommen. Auf der anderen Seite können Emotionen, welche durch elaborierte Emotions-Schemata repräsentiert werden, zu salienten Erfahrungen werden, wobei das in den jeweiligen Emotions-Schemata enkodierte Wissen einen Einfluss auf das emotionale Erleben ausübt.

Ausgehend von diesen theoretischen Ansätzen geht das  Dissertationsprojekt der Frage nach, auf welche Art und Weise Emotionen in der Gesellschaft der yukatekischen Maya verankert sind und welche kulturspezifischen Besonderheiten diese aufweisen. Neben der Beschreibung yukatekischer Emotions-Schemata konzentriert sich die Arbeit ebenso auf die Generierung jener Schemata im sozialen Handeln. In diesem Zusammenhang rückt die Frage ins Zentrum, wie Individuen ihre Emotionen im Kontext des Ruhe-Ideals (tranquilidad) und der sich vollziehenden sozio-ökonomischen Wandelprozesse erleben und ausdrücken. Es soll untersucht werden, ob die veränderten Lebensbedingungen zu einem Wandel der Emotions-Schemata führen und evtl. Emotions-Schemata der spanischsprachigen Stadtbevölkerung adaptiert werden, oder ob das Ideal der Ruhe zu einer Unterdrückung emotionaler Erfahrung führt und wie sich dies auf das Verhalten der Untersuchten im Alltag auswirkt.

Mit der Beantwortung der oben formulierten Fragen soll die Arbeit zum einen eine bedeutende Kenntnislücke innerhalb der Maya-Forschung schließen. Darüber hinaus soll sie einen Beitrag zur interdisziplinären Erforschung menschlicher Emotionalität leisten, indem sie neue Erkenntnisse darüber liefert, in welcher Art und Weise kulturell vermittelte Emotions-Schemata die Entstehung und Wahrnehmung von Emotionen beeinflussen. Das Dissertationsvorhaben liefert so nicht nur neue Einsichten in die Gesellschaft der yukatekischen Maya, sondern leistet ebenso einen Beitrag zum besseren Verständnis menschlichen Verhaltens im Kontext sozialer Wandelprozesse.

 

Betreuer: Prof. Dr. Nikolai Grube

Förderung: Friedrich Ebert Stiftung 

Kontakt: ch.klingler (at) uni-bonn.de

 

 

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