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Christian Mader

Vertikalität in den Anden – das Wirtschaftsmodell der Paracas-Gesellschaft (800 bis 200 vor Christus) im Süden Perus (Arbeitstitel)

 

MaderDie wirtschaftliche Anpassung an verschiedene ökologische Gebiete mit ihren jeweiligen Höhenstufen wird weithin als Vertikalität in den Anden bezeichnet. Dieses Modell wurde von John V. Murra beschrieben und es liefert eine Erklärung wie die ökonomische Nutzung im Andenraum in der Vergangenheit ausgesehen haben könnte. Die landschaftlich abwechslungsreiche Region der Anden umfasst vom pazifischen Küstenabschnitt im Westen über das Hochland bis in den Regenwald des tropischen Tieflands im Osten unterschiedliche ökologische Zonen. Je nach der Verfügbarkeit von Rohstoffen und der landwirtschaftlichen Eignung bieten sich entsprechende wirtschaftliche Aktivitäten in diesen ökologischen Zonen an. Dabei zugrunde liegende Produktions-, Austausch- und Transportprozesse setzen die Kontrolle einer zusammenhängenden Gruppe voraus. John V. Murra entwickelte seine Ideen zur Vertikalität im Andenraum unter Berücksichtigung ethnohistorischer Quellen in den 1970er Jahren. Seitdem wurde sein Konzept in vielen Nachbardisziplinen einschließlich der Archäologie angewandt. Auch wenn eine beträchtliche Anzahl von dokumentierten Funden für die Hypothese des Vertikalitätsprinzips in der vorspanischen Zeit spricht, so fehlt es bisher an einer systematischen archäologischen Überprüfung.

Im Zuge der Nasca-Palpa-Projekte im Süden Perus wurden rezent Siedlungen der Paracas-Gesellschaft (800 bis 200 vor Christus) in verschiedenen ökologischen Zonen registriert. Bei den archäologischen Ausgrabungen in ausgewählten Paracas-Siedlungen wurde Material freigelegt, das sich für die Untersuchung wirtschaftlicher Prozesse und somit des Vertikalitätsmodells eignet. Die wichtigsten Fundorte sind Jauranga (305 Meter über dem Meeresspiegel) im Küstenbereich, Collanco (1700 Meter über dem Meeresspiegel) in der Yunga-Maritima-Zone der andinen Westabdachung und Cutamalla (zwischen 3200 und 3300 Metern über dem Meeresspiegel) in der Quechua-Zone des Hochlands. Zu dem Material gehören lithische Artefakte wie Obsidiangegenstände, Meeresprodukte wie Muschelschalen, tierische Überreste wie Kamelidenknochen sowie einige landwirtschaftliche Anbauprodukte wie Mais. Diese Materialgruppen sollen dokumentiert, durch naturwissenschaftliche Methoden weiter analysiert und ausgewertet werden.

Dieses Dissertationsprojekt möchte das Konzept der Vertikalität als ein ökonomisches System in den präkolumbischen Anden überprüfen. Hierfür werden archäologische Daten aus dem südlichen Peru und der Paracas-Zeit herangezogen. In diesem Zusammenhang sollen Siedlungsfunktionen in unterschiedlichen ökologischen Zonen berücksichtigt sowie Produktionsorte, Distributionsrouten und Konsumptionsorte herausgearbeitet werden. Mit der systematischen Untersuchung des in weiten Teilen anerkannten Modells ökonomischer Vertikalität wird eine Grundlage für das Verständnis der vorkolonialen wirtschaftlichen Funktionsprinzipien im Andenraum geschaffen, die für weitere Diskussionen zur Vertikalität notwendig ist.


Betreuer: Prof. Dr. Nikolai Grube
Förderung: DFG-Graduiertenkolleg "Archäologie vormoderner Wirtschaftsräume"
Kontakt: [Email protection active, please enable JavaScript.]
Bild: Christian Mader

 

 

Verticality in the Andes – The Economic Model of the Paracas Society (800 to 200 BC) in Southern Peru (working title)
 

The economic adaption to different ecological spheres in accordance to altitude is widely called verticality in the Andes. This model has been described by John V. Murra and delivers an explanation of how the economic usage in the Andean area could have looked like in the past. The varied region of the Andes in terms of scenery is spanning diverse ecological zones from the pacific coast in the west through the highlands to the lowland rainforest in the east. Each of these ecological zones can be used for different economic activities depending on the availability of raw materials and the agricultural suitability. Underlying processes of production, exchange and transportation needed the control of a coherent group. John V. Murra developed his ideas about verticality in the Andean area considering ethnohistorical sources in the 1970s. Since then his concept has been applied in many related disciplines including archaeology. Even though there has been a considerable amount of documented findings which do support the hypothesis of the vertical model during pre-Columbian times, a systematic archaeological examination is still missing. 

In the course of the Nasca-Palpa-Projects in southern Peru, settlements of the Paracas society (800 to 200 BC) have been recently recorded in various ecological zones. The archaeological excavations in selected Paracas settlements revealed material which is appropriate for the investigation of economic processes and in the end the model of verticality. The most important archaeological sites are Jauranga (305 metres above sea level) in the coastal area, Collanco (1700 metres above sea level) in the Yunga Maritima zone of the western Andean slopes and Cutamalla (between 3200 and 3300 metres above sea level) in the highland Quechua zone. The materials include lithic remains like obsidian, malacological products like shells, animal remains like bones of camelids and several agricultural products like maize. These material groups will be documented, further analysed by natural-scientific methods and evaluated.

This project wants to scrutinize the concept of verticality as an economic system in the pre-Hispanic Andes. Archaeological data from southern Peru and the Paracas era is therefore consulted. In doing so, settlement functions of distinct ecological zones will be taken into account and places of production and consumption as well as routes of distribution shall be demonstrated. By systematically examining the widely recognized model of economic verticality, a basis for the understanding of the pre-Colonial economic principles in the Andes will be created which is necessary for future discussions on verticality.
 

 

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