Sie sind hier: Startseite Forschung Promotionsprojekte laufende Promotionen Nicolaus Seefeld

Nicolaus Seefeld

Hydrologie des zentralen Mayatieflands aus der Perspektive der Landschaftsarchäologie (Arbeitstitel)

 

Das zentrale Forschungsinteresse des laufenden Dissertationsprojektes ist die Subsistenzgrundlage der klassischen Mayagesellschaft. Aufgrund der klimatischen und hydrologischen Begebenheiten des zentralen Mayatieflands in Nordguatemala und im Süden der Halbinsel Yucatán kommt hierbei der Ressource Wasser eine besondere Bedeutung zu: Dieses Gebiet besitzt ein tropisches Monsunklima mit Regen- und Trockenzeiten und ist in geologischer Hinsicht eine wasserdurchlässige Karstplatte, auf der nur sehr wenige Oberflächengewässer existieren. Das Regenwasser versickert sofort in den Grund, sodass sich kaum Flüsse oder Seen bilden. Zudem sind die Niederschläge deutlich saisonal und unterliegen in ihrer Länge und Intensität starken Schwankungen. Daher kommt es während der Trockenzeit in unterschiedlichem Ausmaß zu Wasserknappheit und damit verbundenen Ernteausfällen.

Paläoklimatische Untersuchungen deuten an, dass die Tieflandmaya dieser Herausforderung teilweise bereits während der Klassik (250-900 n. Chr.) ausgesetzt waren. Diese Umstände machten eine Speicherung von Wasser für den Haushaltsgebrauch und möglicherweise auch für die Landwirtschaft erforderlich. Über lange Zeit hinweg herrschte die Überzeugung, dass die Landwirtschaft der klassischen Maya, genau wie in der Gegenwart, allein auf einem extensiven Brandrodungsbau mit wechselnden Parzellen und langen Brachzeiten basierte. Intensive Forschungstätigkeiten verdeutlichten jedoch immer deutlicher die äußert dichte Besiedlung des Tieflands. Dies führte zu der Vorstellung, dass der dadurch resultierende gestiegene Nahrungsmittelbedarf nur durch Formen intensivierter Landwirtschaft hätte gedeckt werden können. Eine besondere Bedeutung wurde abflusslosen, sumpfigen Senken im Karst (sog. bajos) zugesprochen. Diese bajos nehmen aktuell etwa 40 % der Gesamtfläche des Tieflands ein. Durch ihre feuchteren Bedingungen und die Anlage von Be- und Entwässerungskanälen wäre gemäß dieser Vorstellung theoretisch ein ganzjähriger Anbau und die Ernährung größerer Bevölkerungsmengen möglich gewesen. Gegner dieser Vorstellung halten eine landwirtschaftliche Nutzung der bajos aufgrund der dort anstehenden harten Lehmböden für unwirtschaftlich. In der Tat fehlen bisher valide Hinweise auf einen intensiven Anbau in bajos. Kanalsysteme konnten ebenfalls nur in Verbindung mit permanenten Flusssystemen dokumentiert werden. Weitaus zahlreicher sind jedoch die beschriebenen und teilweise bereits archäologisch untersuchten Terrassenanlagen und Wasserspeicher, welche sich bei genauerer Betrachtung in zahlreichen archäologischen Stätten beobachten lassen.

Das Ziel meines Dissertationsprojektes besteht darin, diese in ihrer Form und Wirkungsweise äußerst vielfältigen hydraulischen Befunde zu erforschen und ihre Beziehung zur Siedlung zu klären. Erst die Verfügbarkeit ausreichender Wasserressourcen ermöglicht das langfristige und funktionale Fortbestehen einer Siedlung. Obwohl diese Anlagen wertvolle Erkenntnisse über den funktionalen Zusammenhang zwischen Umwelt und Siedlung bieten, haben sie in der bisherigen Forschungsgeschichte noch keine umfassende Betrachtung erfahren. Für zahlreiche Stätten des zentralen Tieflands gibt es keine konkreten Vorstellungen oder Modelle einer möglichen Wasserversorgung.

Der Arbeitsprozess umfasst die Auswertung aller publizierten hydraulischen Befunde. Diese werden aufgrund ihrer funktionalen Wirkungsweise kategorisiert und ihre geografische Verteilung kartiert. Um die prähistorische Nutzung und Modifizierung der Landschaft beurteilen und nachvollziehen zu können ist ein sehr breiter und interdisziplinärer Ansatz notwendig. Daher werden die Ergebnisse paläoklimatischer Untersuchungen, die lokale Mikrotopografie, Vegetation und Geologie ebenfalls berücksichtigt. Des Weiteren ist eine Auswertung der zahlreichen archäologisch dokumentierten, bisher aber nicht publizierten hydraulischen Befunde vorgesehen. Die Erforschung dieser vielfältigen Zusammenhänge erfolgt am Beispiel der archäologischen Stätte Uxul. Dort konnte ich bei der Anlage einer archäologischen Sondage innerhalb einer Aguada (natürliches, meist saisonales Wasserbecken) eine aufwendige Modifizierung ihres Bodens dokumentieren. Auf der Basis dieser und zukünftiger Untersuchungen wird ein Modell entwickelt, welches die funktionale Beziehung zwischen Siedlung und Landschaft illustriert und sich dabei insbesondere auf die Wasserversorgung dieser klassischen Mayastätte konzentriert.

 

Betreuer: Prof. Dr. Karoline Noack

Kontakt: nseefeld (at) uni-bonn.de

Artikelaktionen