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Peggy Goede Montalván

Repräsentationen der spanischen Eroberung des Inka-Reiches auf kolonialen Kerus und Gemälden als Spiegel einer differenzierten Kolonialgesellschaft (Arbeitstitel)

 

1492 kam es mit der Ankunft von Christoph Kolumbus in Amerika zum Zusammentreffen zweier gänzlich verschiedener Welten. Aus heutiger Sicht betrachtet hat seit dem Bestehen der Christenheit kaum ein Ereignis die Geschichte so stark beeinflusst und hat derart viele Änderungen, sowohl politischer, wirtschaftlicher, demographischer als auch kultureller Natur mit sich gebracht, wie die Eroberung Amerikas.

GoedeIm Jahre 1532 begannen die Spanier unter Führung von Francisco Pizarro mit der Einnahme des Inka-Reiches. Die Geschehnisse im Zuge dieser Eroberungen sind uns hauptsächlich aus schriftlichen Berichten bekannt, die im Auftrag der spanischen Krone oder der Kirche angefertigt wurden, um eine Beschreibung der neu eroberten Gebiete und ihrer Einwohner zu liefern. Diese Informationen waren von besonderer Bedeutung in Hinblick auf zu erwartende Einnahmen und halfen bei der Missionierung der indigenen Bevölkerung. Solche Schriften geben uns heute großen Aufschluss über die damaligen Ereignisse, zeigen jedoch zumeist nur europäische Sichtweisen. Die Rezeption der indigenen Bevölkerung dagegen ist aus den Quellen nur schwer herauszufiltern. Da die andinen Gesellschaften über kein uns bekanntes Schriftsystem verfügten mit dem sie die Eroberungsgeschichte hätten aufzeichnen können, muss in ihrem Fall hauptsächlich auf Bildmaterial zurückgegriffen werden.

Visuelles Quellenmaterial liefert uns besondere Einblicke in eine Gesellschaft, da in Bildern, bewusst oder unbewusst, Informationen verborgen sind, die viel über die Intentionen des Künstlers, der Auftraggeber und der Zielgruppen aussagen. Doch vor allem sind Bilder Produkte ihrer Zeit, so dass bei den Eroberungsdarstellungen im Laufe der Kolonialzeit ein Wandel festzustellen ist, dessen Ursachen und Umstände zu untersuchen sind. Die Besonderheit der Kolonialkunst findet sich im Konglomerat der diversen Gesellschaften. Dem entsprechend handelt es sich auch beim kolonialen Bildmaterial keineswegs um festgefahrene, "traditionelle" Darstellungsweisen, der einen oder anderen Gesellschaft, sondern vielmehr um einen dynamischen Prozess, der von wechselseitiger Beeinflussung geprägt war.

Als Untersuchungsmaterial für dieses Dissertationsprojekt dienen indigene Eroberungsrepräsentationen auf inkaischen Zeremonialbechern (Kerus) des 16. – 18. Jahrhunderts, die kolonialen Gemälden, europäischen Bildträgern, gegenübergestellt werden. Beide Objekttypen vergleiche ich mit Repräsentationen des indigenen Chronisten Guaman Poma de Ayala, der mit seiner sowohl bildlichen als auch schriftlichen Darstellungsweise eine Brücke zwischen der indigenen und der europäischen Welt schlägt.

 

Betreuung: Prof. Dr. Karoline Noack
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Foto: Kolonialer Keru, ©Bonner Altamerika-Sammlung (BASA), Foto: Peggy Goede M.

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