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Patricia Linnertz

Die Mound Builder als Spiegelbild nationaler Identitätsfindung in den Vereinigten Staaten

  

Mit der Erkundung der durch die Louisiana Purchase des Jahres 1803 neu erworbenen Territorien entdecken die Amerikaner eine frühere Besiedlung ihres eigenen Landes. Im so genannten Östlichen Waldland Nordamerikas stoßen sie auf die monumentalen Ruinen einer vergangenen Zivilisation. Tausende riesiger Erdpyramiden und Walleinfriedungen, so genannte Mounds, säumen die großen Flusssysteme des Mississippi und Ohio River. In ihnen finden sich vielzählige Bestattungen und elaborierteste Artefakte.

LinnertzZu Beginn des 19. Jahrhunderts steht nahezu fest, dass diese Konstruktionen nicht von den einheimischen Indianern errichtet worden sein konnten. Deren Erbauer, die so bezeichneten "Mound Builder", müssten eine zivilisierte, hochkomplexe, weiße Nation gewesen sein, die bereits vor der Entdeckung Amerikas ausgestorben ist. Ihren Ursprung vermutet man unter anderem in den Zehn Verlorenen Stämmen Israels, Asiaten, Karthagern, Phöniziern oder auch den Zentralamerikanischen Tolteken. Im Verlauf des Jahrhunderts entwickelt sich die Suche und Identifikation dieser Verlorenen Zivilisation, und damit auch die Suche nach der Geschichte des eigenen Landes, zur Staatsaufgabe von der Forschung und Wissenschaft in den Vereinigten Staaten auch institutionell bestimmt werden. 1894 kann jedoch wissenschaftlich belegt werden, dass die monumentalen Konstruktionen von verschiedenen prähistorischen Indianerstämmen errichtet wurden, deren Nachfahren noch immer die Waldländer Nordamerikas besiedeln. Die Nichtexistenz einer Verlorenen Zivilisation bedeutet eine völlig neue Erforschung des prähistorischen Waldlandes im 20. Jahrhundert.

Das Dissertationsvorhaben untersucht die Erforschungsgeschichte der Mound Builder im 19. Jahrhundert und den in dieser Zeit entstehenden Mythos der Verlorenen Zivilisation. In dieser Forschungsgeschichte spiegeln sich der Traum von der eigenen Geschichte Amerikas, die nationale gesellschaftliche Identitätsfindung der Vereinigten Staaten sowie auch die Entstehung und Entwicklung der Amerikanischen Archäologie.  

 

Betreuer: Prof. Dr. Nikolai Grube

Kontakt: naak (at) uni-bonn.de 

Bild: Huge Mound and the Manner of Opening Them, Szene 20 aus dem Panorama of the Monumental Grandeur of the Mississippi Valley (John J. Egan, 1850), The Saint Louis Art Museum.

 

 

The Mound Builders reflect Nation-building in the United States of America

 

By surveying the new acquainted territories after the Louisiana Purchase of 1803 the U.S. Americans discover a prehistoric settlement of their own land. The Eastern Woodlands are found almost paved with monumental traces of a long gone civilization. Thousands of conical and trunked pyramids as well as enclosures border the major systems of the Mississippi and Ohio River. Those so called mounds bare multiple human bones and high elaborated artifacts.

At the beginning of the 19th century a non Indian origin of these constructions seems unquestionable. The constructors of those monuments, the now so called Mound Builders, must have been a civilized, highly-complex, white nation, eliminated before the discovery of the New World and originating in for example the Ten Lost Tribes of Israel, Asians, Carthaginians, Phoenicians or the Mexican Civilizations.

In the course of the century the search for this Lost Civilization and therefore the American dream of the own history evolves into the Mound Builder Myth and ends in somewhat like a state affair that dominates American science and research. In 1894 scientific evidence denies the existence of a Lost Civilization and proves these constructions as being built by different prehistoric Indian tribes whose successors still occupy the Eastern Woodlands.

A new era of archaeological research marks the dawn of the 20th century. The dissertation reviews the research on the prehistoric monuments of the Eastern Woodlands as well as the emergence and evolution of the Mound Builder Myth. This research mirrors equally the American dream of the own history, the nation-building of Americans in the 19th century and the origination and development of American Archaeology.

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