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Melanie Weißenberg

Transnationale Alltagspraxen und Identitätsformationen deutschtürkischer Transmigrantinnen

Das Thema dieser Dissertation sind transnationale Alltagspraxen und Identitäten in Deutschland aufgewachsener türkeistämmiger Frauen aus zweiter und dritter Generation, die freiwillig in die Türkei gezogen sind. Auch Frauen, die nach einem längeren Türkei-Aufenthalt wieder nach Deutschland zurückgekehrt sind, werden berücksichtigt. Neben den Motiven, die Frauen dazu bewegen, in türkische Großstädte zu migrieren, soll der Frage nachgegangen werden, wie im Alltagsleben, grenzübergreifende Verbindungen geknüpft werden, die Deutschland und die Türkei zu einem transnationalen Raum (Faist 2000:20-2) vereinen. Konzepte, die Raum als Folge sozialer Handlungen begreifen (Certeau 2011; Lefebvre 1991), können dabei helfen, nicht nur physische, sondern auch symbolische und imaginäre grenzüberschreitende Alltagshandlungen sichtbar zu machen. Auf diese Weise lassen sich neben dem Reisen und der Kommunikation über Grenzen hinweg auch Erinnerungen an Vergangenes und Vorstellungen von der Zukunft beschreiben. Ebenso können beispielsweise Geschmäcker und Gerüche, ein Arbeitsplatz mit Deutschland-Bezug in der Türkei, die Vermischung von Deutsch und Türkisch im Sprachgebrauch Aspekte aus beiden Ländern in einen transnationalen Raum zusammenbringen, welcher durch die Gleichzeitigkeit von physische Verortung und Vorstellungskraft zu einem realen und imaginierten Dritten Raum wird (Soja 1996).

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Des Weiteren soll erarbeitet werden, wie sich deutschtürkische Identitäten entlang eines Kontinuums von Handlungsfähigkeit und äußeren Faktoren konstituieren. Wie hängt kulturelle Identität einerseits mit dem handelnden Selbst zusammen, d.h. mit Wahrnehmung, Handlungen und Positionierung gegenüber Zuschreibungen? Und andererseits: Wie hängen deutschtürkische Identitäten mit Ausschluss und Faktoren wie Ethnizität, Gender, Schicht, Bildungsstand und Biographie zusammen? Eine bedeckte kurdische Frau mit Arbeiterhintergrund wird sich zum Beispiel auf mehreren Ebenen positionieren und auf diesen ebenso Ausschlusserfahrungen durch die Mehrheitsgesellschaft machen.

 

Da eine Untersuchung darüber, wie deutschtürkische Frauen einen transnationalen Raum produzieren, durch die Beobachtung von Alltagspraxen erreicht werden kann, wurde das systematische Sammeln von Informationen über Individuen mittels teilnehmender Beobachtung des Alltags als Methode angewendet (Hammersley und Atkinson 2007; Fretz Shaw 1995; Malinowsky 1922). Darüber hinaus wurden zwischen März und September 2017 36 halbstrukturierte themenzentrierte Interviews geführt (Flick 2007; Schmidt-Lauber 2001). Interviews dienten als Methode, um systematisch und problemorientiert etwas über transnationale deutschtürkische Identitäten dies- und jenseits von Handlungsfähigkeit zu erfahren.

  

Erstgutachterin: Prof. Dr. Karoline Noack
Kontakt: MelanieWeissenberg [at] gmail.com
Förderung: DAAD-Kurzstipendium für Doktoranden/-innen (2013); TÜBITAK-Graduierten-Stipendium für internationale Studierende in der Türkei (2013-2017); DAAD-Kurzstipendium für Doktoranden/-innen (2017); Schmittmann-Wahlen Abschluss-Stipendium (2018)
Bildcollage: Melanie Weißenberg

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