Sie sind hier: Startseite Forschung Promotionsprojekte laufende Promotionen Köhler, Romy: Gott entdeckt Amerika zwischen Ikonografie und Heiliger Schrift Die Huehuetlatolli im Florentiner Kodex als Repräsentationen frühkolonialzeitlicher Idolatrie-Diskurse im Vizekönigreich Neuspanien (1547-1577)

Köhler, Romy: Gott entdeckt Amerika zwischen Ikonografie und Heiliger Schrift Die Huehuetlatolli im Florentiner Kodex als Repräsentationen frühkolonialzeitlicher Idolatrie-Diskurse im Vizekönigreich Neuspanien (1547-1577)

 In meiner Dissertation untersuche ich mit den Huehuetlatolli eine frühkolonialzeitliche Quelle, die 1547 im Vizekönigreich Neuspanien auf Aztekisch in lateinischen Buchstaben redigiert wurde, auf indirekte und direktive Kommunikationshandlungen im Kontext der durch die vizeköniglichen Behörden angeordneten Bekämpfung der Idolatrie unter den indigenen nahuatlsprachigen Bevölkerungen.

Mit der bisherigen Klassifikation dieser Quelle als ethnografischen Aufzeichnungen vorspanischer mexikanischer Kulturen wurden diese als wertvolle alphabetische Transkriptionen vorspanisch oral tradierter Diskurse rezipiert, deren hermeneutische Erschließung zu einem vertieften Verständnis der im vorspanischen Stil gefertigten frühkolonialzeitlichen ikonografischen Bilderschriften und der mit ihnen kodierten altmexikanischen religiösen Vorstellungen dient.
Indem ich anhand meiner Neuübersetzung zwei ausgewählter Huehuetlatolli des Florentiner Kodex nachweise, dass diese in Teilen Rezeptionen ikonografischer Darstellungen vorspanischer Weltvorstellungen aufweisen und sich in Teilen mit christianisierenden Passagen direkt an die indigenen Bevölkerungen im frühkolonialzeitlichen Kontext der Bekämpfung der Idolatrie richten, möchte ich aufzeigen, dass sich diese Texte einer eindeutigen kulturellen Zuordnung entziehen. Sie repräsentieren vielmehr eine Synthese frühkolonialzeitlicher ethnografischer und christianisierender Kommunikationshandlungen im Kontext der Christianisierung und Bekämpfung der Idolatrie unter den indigenen Bevölkerungen Neuspaniens. Semantische Divergenzen, die mit der durch Brüche gekennzeichneten textuellen Organisationsstruktur der Huehuetlatolli korrespondieren, sind mit einer auf der Textoberfläche „glättenden“ Rhetorik überzeichnet und werden von mir mit dem Ziel „freigelegt“, die kulturhistorische Spezifik dieser frühkolonialzeitlichen Dokumente zu beschreiben, die redigiert wurde, bevor die Redaktion hybrider Texturen in indigenen Sprachen im Vizekönigreich Neuspanien 1571 durch das Tribunal des Heiligen Amtes der Inquisition verboten wurde.
 
Betreuerin: Prof. Dr. Karoline Noack (Abteilung für Altamerikanistik Bonn) & Dr. Elizabeth Baquedano (Institute of Archeology at University College London)
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