Sie sind hier: Startseite Forschung Promotionsprojekte laufende Promotionen Katalin Nagy

Katalin Nagy

Rituelle Textilien und Bekleidung der Späten Zwischenzeit an der Mittleren Südküste von Peru

 

Zwischen dem Chincha-Tal im Norden und dem Acarí-Tal im Süden, entlang der peruanischen Südküste, stand die Bevölkerung sowohl in kulturellem als auch in kommerziellem Austausch miteinander. Die Ica-Kultur, die etwa zeitgleich mit der Chincha-Kultur ihre Blütezeit hatte und geografisch gesehen sich in deren Nachbarschaft befand, ordnet man den Kulturen der Späten Zwischenzeit zu. Sie verschwand nicht mit der Herrschaft der Inka, es existieren jedoch keine schriftlichen Hinweise der Chronisten. Mitunter können einzelne textile Objekte, die stilistisch gesehen als Spät-Ica zu bestimmen sind, als Hinweise darauf gelten, dass die zwei Kulturen einander beeinflusst haben.

Das Ethnologische Museum Berlin beherbergt eine herausragende Sammlung von Textilien der alten peruanischen Kulturen. Obwohl sorgfältig aufbewahrt, wurden diese bis auf sehr wenige Ausnahmen nicht ausgestellt. Darum sind sie auch weitgehend unbekannt. Die eingehende Untersuchung einer Gruppe von geflochtenen und verzierten Kopfbedeckungen, die hohen Hüten ähneln, führte zu den Kulturen der Späten Zwischenzeit an der Südküste von Peru. Die Ergebnisse der Untersuchung und das intensive Kennenlernen der Textil-Sammlung des Berliner Museums ließen die Gründe erahnen, warum bis dato kaum Textilien und textile Objekte weltweit aus der Ica-Kultur bekannt und veröffentlicht sind. Während ein großer Teil der Keramiken der Ica-Kultur gut definiert und weitgehend bekannt ist, gilt dies nicht für die Textilien.

Die Sammlung beinhaltet Schals und Schultertücher (lliclas), poncho-artige Bekleidungsstücke (unkus) und Taschen. Auch die geflochtenen „Hüte“ (tocados) mit ihren reichen Verzierungen werden vorgestellt. Die Untersuchung der Textilien der Ica-Kultur ermöglichte einen differenzierten Vergleich mit den Keramiken.

Die Beschäftigung mit der Bedeutung von Textilien und Bekleidung in der Gesellschaft ist sowohl im soziologischen als auch im ethnologischen Bereich ein sehr breit gefächertes Gebiet. Man findet kaum einen Bereich des gesellschaftlichen Lebens, in dem Textilien, ihre Herstellung, ihre Verteilung und ihr Gebrauch keine Rolle spielen. Die Untersuchung von Textilien verschafft also durchaus einen vielseitigen Einblick in eine Gesellschaft. Von daher beschränke ich mich nicht auf eine einfache Präsentation und Materialanalyse, sondern versuche auch, die von mir untersuchten Objekte in einen archäologischen und gesellschaftshistorischen Kontext zu setzen und dadurch sowohl die Objekte als auch die Gesellschaften, die sie hervorgebracht haben, besser zu verstehen.

Betreuerin: Prof. Dr. Karoline Noack
E-Mail-Adresse: [Email protection active, please enable JavaScript.]

 

Artikelaktionen