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Christa Schieber de Lavarreda

Die Entwicklung des frühen Königtums in Tak’alik Ab’aj

 

Die antike Handelstadt Tak’alik Ab’aj liegt am Bergvorland der vulkanischen Kordillere an der südwestlichen Pazifikküste von Guatemala. Ihre lange Geschichte, welche 1700 Jahre überdauerte, steht in direkter Beziehung zu der strategischen geografischen Lage, Ausgangspunkt für die Teilnahme an dem mesoamerikanischen oder auch zentralamerikanischen Fernhandelsroutensystem entlang des Isthmus von Tehuantepec und des pazifischen Litorals. Überdies hat der Kontakt mit fernliegenden Kulturen die einzigartige Geschichte dieser Stadt geprägt, welche in der mittleren Vorklassik (800 – 400 v. Chr.) im archäeologischen Register Charakteristiken der Olmekischen Kultur und in der späten Vorklassik (400 v. Chr. – 150 n. Chr.) die der frühen Maya Kultur aufweist. Zu dieser Zeit findet sich in dieser Südzone des Mayagebietes Hinweise der frühen Entwicklung der Schrift und der Langzeitrechnung und es wurden die Muster geprägt, welche nachher in der Klassik (150 – 900 n. Chr.) zur vollen Blüte gebracht wurden. Als sich dann zu Beginn der Klassik die Weiterentwicklung der Maya Hochkultur im Besonderen in das nördliche Tiefland des Peten verlagerte, wurden neue Handelsbeziehungen entlang der Küste und ins Hochland geknüpft und die Stadt bestand beharrlich weiterhin bis Ende der Klassik, als die Hochlandgruppe der K’iche sein Beherrschungsgebiet bis zur Küstenebene ausbreitete, worauf die Bevölkerung von Tak’alik Ab’aj seine über tausenjährige Stadt verließ.

Die archäologischen Daten der Vorklassik in Tak’alik Ab’aj zeichnen eine unentwegte Entwicklung von den olmekischen kulturellen Elementen hindurch zu Entfaltung eines neuen Ausdruckes, der frühen Maya. Dies ist besonders fein registriert in der mit der Architektur verflochtenen Steinskulpturtradition und, wo die Veränderung in der Gedankenwelt praktisch zu lesen ist. Die Zeitspanne in der diese Umwandlung zu beobachten ist, begrenzt sich auf 700 – 400 v. Chr. und aufgrund dessen wurde vom Forschungsteam in Tak’alik Ab’aj vorgeschlagen, diese mit dem Begriff "Transition" zu benennen. Die Produkion aussergewöhnlicher Skulpturenprogramme von über 300 in sechs verschiedenen Stilen gehauenen Steinmonumenten während der mittleren und späten Vorklassik zeichnen Tak’alik Ab’aj besonders aus. Diese Vielfalt von Skulpturen -wo die Entwicklung oder Überführung vom olmekischen- zum Maya Ausdruck besonders ersichtlich wird- wurde in den öffentlichen Plazas vor und auf den zeremonialen Gebäuden erstellt, des öfteren auch verschiedene Stile aus verschiedenen Zeiten beieinander, das das gezielte Miteinbeziehen der Vergangenheit bezeugt.

SchieberDie Umwandlung von kulturellen Konzepten in Tak’alik Ab’aj kann nicht auf einen Bevölkerunswechsel oder von aussen erwirkter Druck oder Dominierung zurückgeführt werden, sondern erscheint mehr als Produkt einer aus sich selbst entfaltetenen nötigen Änderung. Die tägliche Gebrauchskeramik der lokalen Tradition Ocosito bezeugt, dass die ansässige Bevölkerung während ihrer langen Geschichte, trotz der wichtigen und grundlegenden Änderungen, unbelassen und stetig bleibt. Die Entdeckung zweier Königsgräber, eines um 100 n. Chr. von einem der letzten frühen Mayakönige, und eines vom wohlmöglichen ersten frühen Mayakönig von der Zeit der "Transition", hat wertvolle Informationen zu der beschriebenen Szene beigefügt. Im Besonderen, in dem letzteren Grab fand sich ein materieller Hinweis auf ein zu dieser Zeit heranreifendes Konzept des Königtums, in der Form eines frühen, prä-schriftlichen pan-mesoamerikanischen Symbol’s des königlichen Titels 'ajaw'.

Dieses Dissertationsprojekt ist wie folgt konzipiert. Auf der Auswertung der Daten des archäologischen Registers der 25 Jahre durchgeführten Ausgrabungen aufbauend, wird versucht die Beziehung zwischen kulturellem Wechsel und sozialpolitischer Struktur der antiken Gesellschaft von Tak’alik Ab’aj zu erläutern und auszuwägen, und ob in der Frühklassik in Tak’alik Ab’aj die Indizen der Entstehung der königlichen Institution bestätigt werden können.

Die Arbeit besteht in dem Versuch die Wandlungen der zweitausend Jahre langen Kulturgeschichte von Tak’alik Ab’aj im Licht der archäologischen Reste nachzufolgen, zu charakterisieren und zu formulieren. Dies erscheint besonders vielversprechend in der Beobachtung und Nachvollziehung der Entwicklung folgender Spezialitäten und Themen: Steinmetz- und Baukunst und Technik, des Wasserver- und -entsorgungssystems, der lokalen Keramiktradition und "Besucherkomplexe", und der Quellenfundorte, Verteilung und Produktionstechnik von Obsidian- und Steinwerkzeugen, Austausch von Prestigegütern.
Daraufhin wird die Hypothese einer graduellen Änderung und einer aus sich selbst entfaltenden Entwicklung anhand der verschiedenen archäeologischen Daten geprüft, wobei alte und obsolete kulturelle Elemente verlassen und neue integriert werden, und somit ein neues Konzept entsteht.

 

Betreuer: Prof. Dr. Nikolai Grube

Kontakt: C. Schieber de Lavarreda, Archäologischer Nationalpark Tak’alik Ab’aj, christaschieber (at) gmail.com

Abbildung: Jade-Axt mit Vogelkopf eines Geiers – mesoamerikanischer Vorläufer des königlichen Titels 'ajaw'. [Foto: Parque Arqueológico Nacional Tak’alik Ab’aj, Ministerio de Cultura y Deportes/Dirección General del Patrimonio Cultural y Natural-IDAEH, 2012]
 

 

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