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Neues aus der Forschung

BASA als Raum ethnographischer Museumsforschung

Ethnographische Forschung in Museen gemeinsam mit Angehörigen von Herkunftsgemeinschaften, wie z.B. den Apalai-Wayana und Tiriyó, konnte sich in der Vergangenheit erfolgreich etablieren. Während bisher vor allem nicht-universitäre Museen Erfahrungen auf diesem Gebiet sammelten, war im Oktober 2016 auch die BASA als eine der ersten universitären Sammlungen Schauplatz partizipativer Museumsforschung. Vier Vertreter der Wayana aus Taluwen/ Französisch Guyana waren zu einem einwöchigen Besuch nach Bonn gekommen. Gemeinsam mit den Wissenschaftler_innen des Projektes untersuchten sie Gegenstände ihrer Vorfahren aus der ethnographischen Sammlung Manfred Rauscherts. Dabei wurde deutlich, dass die BASA mit ihrem flexiblen und multifunktionalen Konzept als universitäre Lehr- und Forschungssammlung für ein solches Forschungsformat hervorragend geeignet ist und sich als ideale Grundlage für die innovative Wissensproduktion erwies. Dies verdankt sich besonders dem niederschwelligen Objektzugang, der den Gästen einen unmittelbaren Umgang mit den Gegenständen vom Moment der Sichtung und Auswahl im Depot bis hin zu ihrer Begutachtung und Einordnung am Arbeitstisch im Ausstellungsraum ermöglichte (Abb. 1).

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Abb. 1: Siksili in der Sammlung (Foto: B. Ihde)

Es zeigte sich, dass gerade dieser direkte Umgang mit den Objekten und der fließende Wechsel zwischen unterschiedlichen Rollen innerhalb dieses Forschungsprozesses – etwa als Expert_innen der materiellen Kultur, als Lernende und Lehrende oder auch Kurator_in der Sammlung – eine emotionale und kreative Beziehung zu den Objekten initiierte (Abb. 2).

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Abb. 2: Aima Flöte spielend (Foto: B. Ihde)

Das multifunktionale Museumsformat der BASA bot zudem auch die Möglichkeit, neue Gegenstände im Beisein der Forschergruppe zu schaffen (Abb. 3). 

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Abb. 3: Aima bemalt die Maluwana (Foto: B. Ihde)

Während des Workshops diskutierten die Gäste gemeinsam mit den Projektwissenschaftler_innen über die ausgewählten Objekte, deren Materialien und Verwendung. Teil des Workshops war die gemeinsame Sichtung von Filmdokumenten, die auch – jedoch nicht ausschließlich – von Manfred Rauschert stammen. Die Begegnung mit dessen Sohn, Merlin Rauschert bildete schließlich einen der Höhepunkte des Workshops. Ausgangs- und Gravitationspunkt dieser Begegnung waren die ethnographischen Objekte, doch erst der damit verbundene Austausch von Erinnerungen an Manfred Rauschert und durch ihn vermittelte Erlebnisse wurde zu einem ergreifenden emotionalen Ereignis für alle Beteiligten.

 

Feldforschung in Kwamalasamotoe/Surinam

Zu den Fundamenten ethnographischer Forschung gehört – trotz der mittlerweile breiten Auffächerung ethnographischer Methoden – bis heute der Feldaufenthalt und dieser ist auch Teil dieses Projektes. Die erste Feldforschungskampagne fand im Dezember 2016 in Kwamalasamotoe/Surinam statt (Abb. 4). Bei den dort lebenden Tiriyó erfolgte eine grundlegende Dokumentation der gegenwärtigen materiellen Kultur sowie einiger Kenntnisse ihrer handwerklichen Traditionen und Fertigkeiten. Der Feldaufenthalt gewährte zugleich Einblicke in die zunehmende Verflechtung zwischen indigenen und urbanen Gesellschaften und ließ beispielhaft den daraus folgenden kulturellen Wandel indigener Gemeinschaften ersichtlich werden.

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Abb. 4: Kwamalsamotoe (Foto: B. Ihde)


Die autarke Nahrungsmittelproduktion und -verarbeitung zeigte dabei das größte Potenzial zur Bewahrung von Traditionen materieller Kultur. (Abb. 5). Zwar werden mittlerweile zahlreiche industriell produzierte und eingeführte Lebensmittel konsumiert, wie Konservengemüse, Teigwaren, Zucker oder gelegentlich auch Weizenbrot, doch hat bis heute der Bittermaniok seine Bedeutung als Grundnahrungsmittel beibehalten. Der komplexe Prozess seiner Zubereitung erfolgt unter Einsatz traditioneller und selbst hergestellter Gerätschaften, wie der Schlauchpresse, Holzreibe oder aus Pflanzenmaterialien gefertigte Siebe und Fächer.

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Abb. 5: Küchengerät (Foto: B. Ihde)

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