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Archäologisches Projekt Xkipché

x1.jpgXkipché liegt in der "Puuc" genannten Karsthügelzone, die sich durch eine außerordentliche Dichte klassischer und spätklassischer Mayasiedlungen auszeichnet. 'Hier liegen bekannte Ruinenstädte wie Uxmal und Kabah. Neben diesen großen Städten gibt es aber noch hunderte kleinerer Orte, die nach dem gegenwärtigen Forschungsstand zwischen 750 und 950 n. Chr. florierten.

Die seither verlassenen Orte mit ihrer herausragenden Steinarchitektur befinden sich zum Teil in einem erstaunlich guten Erhaltungszustand. Mehr als 100 dieser Ruinenstätten wurden Ende des 19. Jahrhunderts von dem österreichischen Forschungsreisenden und Fotografen Teobert Maler besucht und durch Beschreibungen, Planzeichnungen und hervorragende großformatige Fotografien dokumentiert. Sein vorher unveröffentlichtes Werk wurde 1997 von Prof. Hanns J. Prem heraus gegeben. Einige der von ihm beschriebenen Ruinen konnten erst in den 70er und 80er Jahren dieses Jahrhunderts im Zusammenhang mit der Vorbereitung der Edition wieder aufgefunden werden. Xkipché, einer dieser Orte, der nach fast 100 Jahren, 1989, wieder entdeckt wurde, ist seit 1991 Schauplatz intensiver Grabungen:

x5_chultun.jpgDer vom 6. bis ins 10 Jh. bewohnte Ort wird in Zusammenarbeit mit der Mexikanischen Altertumsbehörde (INAH) unter Leitung von Prof. Dr. Hanns J. Prem von einem Team internationaler Wissenschaftler großflächig ausgegraben. Ziel der von der  DFG finanzierten archäologischen Ausgrabung ist eine gesicherte Datierung des Forschungs-gebietes, die Erforschung der Lebensgrundlage der einstmals dort ansässigen Bevölkerung und die Einbindung des Ortes in die politischen Strukturen gegen Ende des 9. Jahrhunderts. Die erste Phase des Archäologischen Projektes Xkipché befasste sich von 1991 bis 1997 in erster Linie mit Fragen der Abfolge von Architekturstilen im Puuc-Gebiet, also deren relativ- und absolutchronologischer Einordnung. Die im dichten Buschwald Yucatáns zahlreich erhaltenen Steingebäude der spätklassischen Maya-Kultur lassen sich anhand ihrer architektonischen Merkmale wie beispielsweise der Gliederung der Baukörper oder Fassadenschmuck klassifizieren. Es fehlte allerdings lange eine fundierte baustratigraphische Absicherung der zunächst eher im Sinne einer typologischen Reihe angelegten Stilsequenz. Der sogenannte 'Palast' im Zentrum von Xkipché - ein zweistöckig erhaltener Komplex mit über 50 Räumen - bot für dieses Anliegen gute Voraussetzungen: Er wurde vielfach um- und überbaut, die angrenzenden Freiflächen wie auch die Böden der Innenräume wurden wiederholt mit dicken Stuckschichten überzogen, welche Befunde wie Gräber, Opferdepots aber auch Siedlungsmüll versiegeln und sich ihrerseits direkt mit Baumaßnahmen am Palast in Beziehung setzen lassen.


x7_grab1.jpgAls Ergebnis dieser Arbeiten konnte für Xkipché eine stratigraphisch fundierte Periodisierung erarbeitet werden, die die Zeit von etwa 500 v Chr. bis etwa 1050 n. Chr. umfasst. Parallel zu den Ausgrabungsarbeiten wurde der gesamte Fundort (ca.70 ha) kartiert. Die Bearbeitung der Fundkeramik, jenseits des in Mexiko üblicherweise angewandten Type-Variety Systems, wurde von M. Vallo im Rahmen einer Dissertation an der Universität Bonn vorgelegt. Sie stützt und ergänzt die baustratigraphisch basierte Periodisierung. Bei den Arbeiten am Palastgebäude zeigte sich, daß dieses offensichtlich mitten in einer Umbaumaßnahme aufgegeben wurde: Der Bau des zweiten Stockwerkes wurde angefangen, aber in Teilen nicht vollendet - eine Beobachtung, die in Xkipché für mindestens 12 Gebäude zutrifft, und die sich auch an anderen Fundorten der Puuc-Region wiederholt, so beispielsweise in Uxmal, Sayil, Kabah und Labná. Dies allein war zunächst keine Überraschung - die These von einer plötzlichen und vollständigen Auflassung der Maya-Siedlungen des Puuc im Spätklassikum, vermutlich aus einer Kombinatiopn von miteinander verknüpften klimatischen, politischen und wirtschaftlichen Gründen heraus, war in ihren Grundzügen lange etabliert.

Möglicherweise spielte eine Überbeanspruchung der natürlichen Ressourcen durch den traditionellen Brandrodungsanbau eine Rolle, die vermutlich mit einem längeren Zeitraum niederschlagsarmer Jahre zusammentraf. Diese wirkten sich in einem Gebiet ohne Oberflächengewässer, in dem die Bevölkerung auf die Speicherung des Niederschlages aus der Regenzeit für die trockene Zeit des Jahres angewiesen war, katastrophal aus. Aber auch gesellschaftliche Umwälzungen als Folge von lokalen Kriegen und sozialen Unruhen sind nicht auszuschließen, sondern werden aus den Forschungs-ergebnissen immer wahrscheinlicher. Das eigentlich überraschende in Xkipché waren jedoch neben der Plötzlichkeit dieses Vorganges die sich häufenden Hinweise, dass mit dem Ende der Bauaktivitäten an den steinernen Großbauten um 950/1000 n.Chr. nicht auch das Ende der Besiedlung des Ortes einherging: Die Anwesenheit einer späten - wenn auch zahlenmäßig und ökonomisch deutlich schwächeren - 'epiklassischen' Bevölkerung in Xkipché lässt sich an vielen Punkten nachweisen.


So wurden sorgfältig behauene Steine aus der Fassade des 'Palastes' zur Pflasterung von Böden zweckentfremdet, unter einer fliegenden Treppe wurde durch Zumauern der Seiten Wohnraum geschaffen, breite Eingänge repräsentativer Gebäude wurden verkleinert, um dahinter geschützte Innenräume zu schaffen, die sorgfältig bearbeiteten Steine älterer Gebäude wurden für neue Fundamentmauern verbaut, die Aufbauten aus pflanzlichem Material trugen. Ein Befund außerhalb des Ortszentrums lässt auf die gewaltsame Demolierung einer Fassade schließen, deren Schmuckelemente herausgebrochen und um das Gebäude herum verstreut gefunden wurden.

Basierend auf diesen Ergebnissen ist im Dezember 2001 ein zweites von der Deutschen Forschungsgemeinschaft finanziertes Projekt in Xkipché initiiert worden. Dieses Projekt hat zum Ziel, die Zeit zwischen der Aufgabe der Großgebäude und dem höchstwahrscheinlich damit verbundenen Abzug der Elite Xkipchés und der endgültigen Aufgabe der Siedlung durch die zunächst dort verbliebenen Bewohner zu erforschen. In der ersten von drei geplanten Grabungskampagnen wurde dafür ein Gebäudetyp untersucht, der in den Fundorten der Umgebung, so in Sayil und in Uxmal, wiederholt beobachtet und als zeitlich spät eingestuft wurde, und der in derselben Zeitstellung bis in den Petén hinein nachgewiesen wurde. 

Es handelt sich hierbei um flache Plattformen aus trocken vermauertem Bruchgestein, die dreiseitige ('c-förmige') Gebäude trugen, häufig aus sekundär vermauerten älteren Fassadensteinen. Diese Bauten treten häufig in Gruppen von mehreren in Reihen angeordneten Einzelplattformen auf Plätzen innerhalb der alten Ortszentren auf, wo sie allerdings die räumliche Konzeption der älteren Anlagen stören. Sie wurden bis in jüngste Zeit als Wohngebäude bezeichnet und von diesen nicht klar unterschieden. Sechs dieser 'c-förmigen' Gebäude konnten von Januar bis April 2002 in Xkipché archäologisch untersucht werden. Ob sich die gravierenden Veränderungen um 1000 n. Chr. auch im Siedlungsbereich außerhalb des Zentrums von Xkipché beobachten lassen, sollte 2003 durch die Ausgrabung zweier Gruppen einfacher Wohn- und Wirtschaftsgebäude geklärt werden, die sich nach dem Oberflächenbefund bereits deutlich von den 'c-förmigen' Gebäuden unterscheiden ließen.

 

 

Vor allem sollten diese Untersuchungen einen Beitrag zur Erforschung der Lebensbedingungen der einfachen Bevölkerung zur Zeitdes Spät- und Epiklassikums liefern - ein Themenkomplex, der von der Maya-Archäologie Yucatáns zugunsten von Grabungen in den repräsentativen Siedlungszentren bis in die jüngste Zeit stark vernachlässigt worden ist. Gleichzeitig mit den Grabungsarbeiten wurde der Palast und die anderen freigelegten Gebäude durch konservierende Maßnahmen gegen einen weiteren Verfall gesichert. Dieses Vorgehen ist sind nicht nur durch internationale fachliche Normen und die Vorgaben der mexikanischen Altertumsbehörde bestimmt, es ist vielfach auch technische Voraussetzung der Grabungen. Die als Konsolidierung bezeichneten Maßnahmen gehen jedoch nicht soweit, einen nur vermuteten früheren Zustand wiederherzustellen, und orientieren sich auch nicht an den Bedürfnissen des Tourismus, für den Xkipché nicht geöffnet wird. Sie bewahren so weit als möglich den vorgefundenen Zustand der Gebäude und erhalten den Ort für zukünftige Forschungsgrabungen.

 

 


Ansprechpartner:

Prof. em. Dr. Hanns J. Prem
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Telefax: (+49) (0)228 73 4385
E-mail: prem (at) uni-bonn.de

Dr. Iken Paap
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Julia Bach MA
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