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Umwelt, Weltbild und Ressourcennutzung im Andenhochland Nordwest-Argentiniens

Schwerpunktprogramm der Deutschen Forschungsgemeinschaft: "Mensch und globale Umweltveränderungen: sozial- und verhaltenswissenschaftliche Dimensionen".
 

Der regionale Fokus des Projektes ist das Departamento Susques in der nordwest- argentinischen Provinz Jujuy. Susques, dessen Bevölkerung vor allem von der nomadischen Viehzucht (Lamas, Schafe, Ziegen) lebt, gehört zu einem sehr ariden Abschnitt des Andenhochlandes (Puna de Atacama).

Aufbauend auf einer ersten Feldforschung, bei der die Untersuchung der Weidewirtschaft unter risikoreichen Bedingungen im Vordergrund stand, analysiert Frau Göbel im Rahmen des Schwerpunktprogrammes die komplexen Beziehungen zwischen Umwelt, Weltbild und Ressourcennutzung. Ziel der ersten Phase des Vorhabens (1996-1998) war es zu analysieren, wie die ökonomischen Strategien der Hochlandbewohner durch ihre kulturspezifische Umweltwahrnehmung, die religiösen Vorstellungen und ihre sozialen Interaktionen mitbestimmt werden. Es soll auf diese Weise ein Beitrag geliefert werden für eine präzisere Erfassung der komplexen Zusammenhänge zwischen Interesse, Wissen (Einstellungen, Risikowahrnehmung, Informationen, Konventionen) und Handeln.

Zwischen September 1996 und März 1997 wurde deshalb ein weiterer Feldaufenthalt in Susques durchgeführt. In der zweiten Projektphase (1998-2000) untersuchte Frau Göbel die aktuellen Hybridisierungen des Umweltwissens der Bewohner Susques aufgrund ihrer Interaktionen mit Akteuren anderer kultureller Kontexte und Machtpositionen untersucht werden. Hierfür wurden Umweltkonzeptualisierungen und Risikovorstellungen der Viehzüchter mit denen von Vertretern staatlicher und kirchlicher Entwicklungsinstitutionen, politischer Parteien und Indianerorganisationen, die in jüngster Zeit in Susques aktiv geworden sind. Dies ermöglichte es, Konflikte genauer zu verstehen, die entstehen, wenn die indigene Wahrnehmung der Umwelt und die westlich geprägten Naturkonzepte der Entwicklungsexperten aufeinanderprallen.


Die dritte Projektphase (2000-2001) ist der abschließenden Datenauswertung und dem Verfassen einer Monographie gewidmet. Von Projektbeginn ab, bestand eine enge Zusammenarbeit zwischen dem Forschungsprojekt und den anderen ethnologischen Vorhaben des Schwerpunktprogrammes (Universitäten Köln und Trier), die die Mensch-Umwelt-Beziehungen in ariden Gebieten Namibias, Australiens und Indiens untersuchen. Außerdem ist Frau Göbel Mitglied zweier interdisziplinären Arbeitsgruppen des Schwerpunktprogrammes "Risikowahrnehmung und Informationsverarbeitung" (Ethnologie, Psychologie, Soziologie) und "Umweltwahrnehmung und Handlungsstrategien in gefährdeten Ökosystemen in Entwicklungs- und Schwellenländern" (Ethnologie, Geographie), aus der mehrere gemeinschaftliche Publikationen des Schwerpunktprogrammes hervorgingen oder in Planung sind.

Desweiteren kooperiert Frau Göbel mit Forschergruppen in Frankreich (College de France, Ecole des Hautes Etudes en Sciences Sociale) und Argentinien (Universidad de Buenos Aires, Universidad Nacional de Córdoba, Universidad Nacional de Jujuy, Instituto Nacional de Antropología), die zu ähnlichen Fragestellungen arbeiten.

 


verantwortlich:

Dr. Barbara Göbel
goebel (at) iai.spk-berlin.de

 

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