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Samaipata

samai1.jpgDie Ruinenstätte "El Fuerte" liegt in den östlichen Ausläufern der Anden Boliviens, in ca. 1900 m Höhe, etwa 6 km entfernt von dem Städtchen Samaipata, das an der alten Landstraße zwischen Cochabamba und Santa Cruz gelegen ist. Die genauen Koordinaten sind 18° 10' 30'' südl. Breite und 63° 49' 10'' westl. Länge. Der gesamte Komplex von ca. 40 ha wurde vom UNESCO-Kommittee für das Weltkulturerbe auf seiner Sitzung vom 2. Dezember 1998 in Kyoto / Japan in die Liste "Kulturerbe der Menschheit" eingetragen.

Seit altersher ist Samaipata bekannt für seinen langgestreckten Sandsteinfelsen, in dem eine Vielzahl von Figuren, Rinnen, Kanälen, Becken, Stufen, Sitzen und dergleichen eingemeißelt sind. Auffallend sind vor allem die zwei parallelen Kanäle, die den Felsen in exakter Ost-West-Richtung ansteigen und die von eingeritzten Rhombenbändern flankiert sind. Zu den Figuren, die noch rudimentär erhalten sind, zählen vor allem zwei Raubkatzen (Pumas oder Jaguare), die im Halbrelief in den Stein gemeißelt sind.

samai2.gifAn den Flanken des Felsens, im Norden nur einmal, im Süden auf ca. 200 m Länge befinden sich frontal in den Stein eingehauene, menschengroße Nischen, die jeweils die Längswand eines Tempels darstellen. Auf Einladung des Bolivianischen Nationalen Archäologischen Instituts (INAR) führte ein Forschungsteam des Seminars für Völkerkunde der Universität Bonn unter der Leitung von Albert Meyers in den Jahren 1992 und 1994/95 Ausgrabungen an der Ruinenstätte durch. Wichtigstes Ergebnis sind die Erstellung eines exakten Vermessungsplans des skulpierten Felsens sowie die Entdeckung eines größeren archäologischen Komplexes unter der halbtropischen Vegetation in unmittelbarer Umgebung.

Es handelt sich um eine Zeremonialanlage der Inka und Überreste früherer Siedlungen aus dem Hochland und den östlichen Tieflandkulturen. Nach der Zerstörung der inkaischen Tempel südlich des skulptierten Felsens errichteten die spanischen Konquistadoren auf den Ruinen ein Patiohaus, das als Verschanzung im Krieg gegen die Tieflandindianer (Chiriguano) diente. Aus dieser Zeit stammt wahrscheinlich der Ausdruck "El Fuerte".

Die Inka hatten ihr Reich noch weiter nach Osten ausgedehnt, wie die Entdeckung einer Festung mit inkaischen Kulturüberresten ca. 60 km südöstlich von Samaipata beweist. Diese Festung, La Fortaleza ist auf einer Plattform unmittelbar über der flachen Ebene von Santa Cruz de la Sierra gelegen und die bisher bekannte östlichste Anlage des Inkareiches überhaupt.

 


Ansprechpartner:

Dr. Albert Meyers
a.meyers (at) uni-bonn.de

 

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