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Allgemeine Einführung

Das Yukatekische Maya (Maaya T'aan) ist eine der 30 Mayasprachen, die heute in südlichen Teilen Mexikos, in Guatemala, Belize und im Westen von Honduras gesprochen werden. Diese zuweilen stark divergierenden Sprachen werden zu einer Sprachfamilie zusammengefasst, wobei das Yukatekische Maya gemeinsam mit dem Lakandon-, Itza'- und Mopan-Maya zu den Tiefland-Mayasprachen gehört (siehe Abbildung 1).

 

Abbildung 1: Einordung des Yukatekischen Maya in die Maya-Sprachfamilie (nach Kaufman 1976)

Sprachbaum


Mit gegenwärtig rund 800.000 Sprechern ist das Yukatekische Maya nicht nur die zweitgrößte Mayasprache nach dem K'iche', sondern auch diejenige mit dem größten Verbreitungsgebiet. Dieses umfasst schwerpunktmäßig die südmexikanischen Bundesstaaten Yucatán, Campeche und Quintana Roo; kleinere Sprechergemeinschaften finden sich auch im Staat Belize an der Grenze zu Mexiko (siehe Abbildung 2). In Yucatán beläuft sich der Anteil der mayasprachigen Bevölkerung auf 30,3% (537.516 Sprecher), in Quintana Roo auf 13,4% (177.979 Sprecher) und in Campeche auf 12,3% (71.852 Sprecher) (Instituto Nacional de Estadística y Geografía, 2011).

 

Abbildung 2: Die Halbinsel Yucatán

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Quelle: www.inahqr.gob.mxwww.inahqr.gob.mxwww.inahqr.gob.mx

 

Diese Momentaufnahme der aktuellen Sprachsituation suggeriert eine auf den ersten Blick große und stabile Sprachgemeinschaft. Tatsächlich ist jedoch seit den 1990er Jahren zu beobachten, dass die Sprecherzahlen trotz der Einführung zweisprachiger Schulen und verschiedener Revitalisierungsprogramme langsam aber kontinuierlich sinkt. Das Yukatekische Maya wird daher - wie die Mehrzahl der indigenen Sprachen des amerikanischen Doppelkontinents - als "gefährdete Sprache" (endangered language) klassifiziert (Adelaar 2007).

Die Ursachen, die dazu führen, dass indigene Sprachen zugunsten offizieller Landessprachen aufgegeben werden, hängen von den jeweils vorherrschenden regionalen und lokalen Gegebenheiten ab. Im Falle des Yukatekischen Maya lassen sich zwei zentrale Faktoren bestimmen: a) die massive Abwanderung der mayasprachigen Bevölkerung in urbane Zentren, in denen das gesellschaftliche und berufliche Weiterkommen von der Beherrschung des Spanischen abhängt und b) das im Vergleich zum Spanischen niedrigere Prestige des Yukatekischen Maya. Während Erstere untrennbar mit Fortschritt, Reichtum und beruflicher Zukunft assoziiert wird, wird Letztere oftmals mit Rückständigkeit, Armut und bäuerlicher Lebensweise in Verbindung gebracht (Gabbert 2001).

 

Text: Christian W. R. Klingler & Catherine J. Letcher Lazo, 2013

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