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Inhaltlicher Kontext der Geschichte

VelasDie kurze Geschichte verweist auf historische Ereignisse im Zusammenhang mit der Anerkennung der politischen Unabhängigkeit des Ortes Nahualá als eigenes Munizipalzentrum in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Nahualá gehörte ursprünglich zum municipio von Santa Catarina Ixtahuacán. Bedingt durch eine deutliche Bevölkerungszunahme zu Beginn des 19. Jahrhunderts, kam es zwischen der stetig wachsenden Siedlung Nahualá und dem Munizipalzentrum zu ständigen Konflikten. Die Nahualeños weigerten sich zunehmend, die Messe im 10 km entfernten Santa Catarina Ixtahuacán aufzusuchen und ihre Steuern zu leisten. 1865 kam es zu einem gewalttätigen Konflikt zwischen den Anhängern des aus Nahualá stammenden Gouverneurs Manuel Tzoc und denen des principal Miguel Salquil aus Santa Catarina Ixtahuacán. Viele Menschen starben in dieser Auseinandersetzung und die Regierung schickte das Militär, um die Ordnung wiederherzustellen. 1866 stellte Nahualá bei der Diözese den Antrag auf eine eigene Kirche und erhielt die Erlaubnis, eine Kapelle zu errichten, sowie die Zuteilung eines Hilfspriesters. Die religiöse Unabhängigkeit bereitete den Weg für die offizielle politische Separation von Santa Catarina am Ende des 19. Jahrhunderts. Auch nach der Separation kam es noch bis in die neunziger Jahre des 20. Jahrhunderts, insbesondere im Kontext von Landstreitigkeiten, zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen beiden municipios.


In den oralen Traditionen der beiden Orte werden die historischen Ereignisse recht unterschiedlich erinnert und verarbeitet. Während in Santa Catarina Ixtahuacán Geschichten erzählt werden, in denen Manuel Tzoc als Gesetzesbrecher dargestellt wird, erinnert man ihn in Nahualá als Gründervater und Kulturbringer. Eine Vielzahl von oralen Traditionen beschreiben dabei die Rolle von Tzoc bei der Schaffung einer eigenen Figur von der Heiligen Katharina, der Schutzpatronin von Ixtahuacán, für die neue Kirche von Nahualá. Der Legende nach soll er veranlasst haben, dass die Heiligenfigur aus dem Holz eines Baumes geschnitzt wurde, der Jahre zuvor gefällt worden war und urplötzlich wieder austrieb, was als Zeichen Gottes gedeutet wurde.
 

Quellen:

McCreery, David

1994   Rural Guatemala 1760-1940. Stanford: Stanford University Press

Weisshaar, Emmerich & Rainer Hostnig (Hrsg.)

1995   Ojer Tzij: Erzählungen der Maya-Indianer Guatemalas aus dem Stamm der Quiché, Guatemala. GTZ

 

Text: Frauke Sachse, 2011

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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