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07.03. Stellungnahme deutschsprachiger Mesoamerikanisten zur BILD-Schatzsuche in Guatemala

Richtigstellung:

In der ersten Fassung unserer Stellungnahme fand sich die folgende falsche Aussage: "In Begleitung des deutschen Botschafters versuchten die Schatzsucher den Prozess der Genehmigung ihrer Expedition abzukürzen."

Dies ist nicht zutreffend. Vielmehr teilte uns der deutsche Botschafter in Guatemala zur Rolle der Botschaft Folgendes mit: "Die Gruppe hat das Gespräch mit uns gesucht, und wir haben sie insbesondere wegen der kritischen Sicherheitslage beraten. Wir haben der Gruppe über die Tourismusbehörde auch Polizeischutz für die Überlandfahrten vermittelt, so wie wir es auch bei anderen Reisegruppen tun. Auf meine Anregung kam auch ein Gespräch mit einem Abteilungsleiter im Kulturministerium zustande, zu dem ich die Gruppe begleitet habe. Ich hielt dieses Treffen für wichtig, um die entstandenen - und geschürten - Spekulationen über die Natur der Reise zu begrenzen. Die Gruppe hat dort erklärt, dass keine Ausgrabungen geplant seien. Sie hat auch nicht um irgendeine Genehmigung nachgesucht. Der Abteilungsleiter hat auf die Forschungslage hingewiesen und dargelegt, dass es bestimmt kein Gold im Izabal-See gebe. Er hat keine Einwände gegen die Fahrt zum Izabal-See erhoben; allerdings solle doch bitte von eingehenderen Untersuchungen vor Ort ohne Erlaubnis abgesehen werden - was zugesichert wurde."

Wir bedauern, durch unsere unkorrekte Darstellung den Eindruck erweckt zu haben, der deutsche Botschafter in Guatemala hätte mitgeholfen, die guatemaltekischen Behörden unter Druck zu setzen. Dies ist in der Tat nicht der Fall gewesen.

 

Die Stellungnahme

Seit dem 2. März 2011 veranstaltet die BILD-Zeitung eine Schatzsuche nach "versunkenen Goldtafeln" der Maya. Als Leiter der Expedition wird Joachim Rittstieg genannt, ein ehemaliger Realschulrektor aus Borgstedt bei Rendsburg/Schleswig-Holstein. Ziel ist es, eine angeblich antike untergegangene Maya-Stadt im Lago de Izabal, Guatemala wieder zu entdecken und deren umfangreiche Goldschätze zu bergen.

Die Vorgehensweise der BILD-Schatzsucher ist aus Sicht deutscher Wissenschaftler/-innen skandalös und entbehrt jeglicher wissenschaftlichen Grundlage. Die Durchführung dieses auf Effekthascherei zielenden Unternehmens und das damit in Deutschland wie in Guatemala verbundene Medienecho schaden der über viele Jahre aufgebauten guten Zusammenarbeit zwischen den Forschungsinstitutionen beider Länder. Darüber hinaus beschädigen sie das Ansehen Deutschlands in Guatemala und gefährden die archäologischen Hinterlassenschaften der antiken Maya-Kultur, welche in Zukunft wegen der nun dort vermuteten Goldschätze noch stärker geplündert werden.

Zum Hintergrund: Joachim Rittstieg ist ein selbsternannter Maya-Forscher, der sich mit seinen Thesen und Untersuchungsmethoden außerhalb der Regeln des guten wissenschaftlichen Arbeitens bewegt. Seine Thesen weisen Bezüge zur Atlantis-Mythologie auf. Sie beinhalten zudem deutlich völkisch-rassische Züge und basieren auf der esoterisch verklärten Vorstellung von einer überlegenen nordisch-germanischen Ur-Kultur, die sich einst in alle Welt verbreitete. Es ist bedauerlich, dass sich eine große überregionale deutsche Zeitung zum Sprachrohr für diese abwegigen Thesen macht.

Der Lago de Izabal und die umliegende Region in Guatemala sind bereits in den vergangenen Jahrzehnten gut erforscht worden. Weder archäologische Spuren noch Schriftzeugnisse aus der frühen Kolonialzeit verweisen auf eine unbekannte Maya-Stadt namens „Atlan“, deren Name frei erfunden ist. Goldverarbeitung in Form der von Rittstieg beschriebenen Tafeln hat es in der antiken Maya-Kultur überhaupt nicht gegeben.

Die genannte Maya-Handschrift, der Codex Dresdensis, wird seit mehr als 100 Jahren kontinuierlich erforscht. Zahlreiche Publikationen belegen anschaulich und nachvollziehbar, dass die Texte der Handschrift religiöse und kalendarische Informationen enthalten. Eine „Schatzkarte“ wie von Rittstieg diagnostiziert, enthält dieses Dokument definitiv nicht.

Anstelle von fundierten Forschungsergebnissen werden die haarsträubenden Thesen des Herrn Rittstieg als "wissenschaftlicher Durchbruch" verkauft.

Das Unternehmen und die Vorgehensweise von Joachim Rittstieg und des BILD-Teams gegenüber der guatemaltekischen Altertumsbehörde IDAEH sind aus unserer Sicht zu verurteilen. Die Auswirkungen einer solchen Schatzjagd auf die antiken Maya-Stätten sind höchst problematisch. Lokale Bevölkerung wie auch zahlreiche international agierende Kunsträuber könnten dadurch animiert werden, die vermeintlichen Goldschätze der Maya zu suchen. Gerüchte über die Existenz von Goldschätzen haben in der Vergangenheit bereits in zahlreichen archäologischen Stätten zu Plünderung und Zerstörung wertvoller Kulturgüter geführt.

Archäologen haben bislang in mühevoller Aufklärungsarbeit vor Ort immer wieder darauf hingewiesen, dass die antiken Maya-Stätten keineswegs Goldschätze enthielten, und mussten zudem mit Gerüchten kämpfen, sie würden Schätze illegal außer Landes schaffen. Die BILD-Goldsuche macht diese Arbeit mit einem Schlag zunichte und schadet dem Ansehen deutscher Wissenschaftler und dem gesamten Land in Guatemala und darüber hinaus. (Die Stellungnahme als pdf)

 

Im Namen der deutschsprachigen Mesoamerikanistik und Maya- Forschung. 

Dipl. Reg.-Wiss. Sarah Albiez, Köln

Prof. Dr. Wiebke Ahrndt, Bremen

Teri Erandeni Arias Ortiz, M.A., Bonn

Dr. Carmen Arellano Hoffmann, Eichstätt

Ing. Carlos Barrera Atuesta, Bogota (Kolumbien)

Arq. Antonio Benavides C., Campeche (Mexiko)

Rebecca Bergtholdt, M.A., Bonn

Anna Biallas, Hamburg

Dr. Wulff Bickenbach, Meerbusch

Dr. Peter Biro, Bonn

Stephanie Brause, Bonn

Cristina Bredt, M.A., Hamburg

Andrea Brödemann, Bonn

Claudia Bock, M.A., München

Anne Bormann, M.A., Bonn

David Brinkmann, Bonn

Dr. Elke Bujok, München

Prof. Dr. Inés de Castro, Stuttgart

apl. Prof. Dr. María Susana Cipolletti, Bonn

Dr. Albert Davletshin, Moskau, X-Caret (Mexiko)

Dr. René Dehnhardt, Bonn

Dr. Kai Delvendahl, Bonn

Thalia Dietrich, Bonn

Prof. Dr. Eveline Dürr, München

Christian Egerer, M.A., Bonn

Prof. Dr. Gunther Dietz, Xalapa (Mexiko)

Prof. Dr. Michael Dürr, Berlin

Dr. Lars Frühsorge, Hamburg

Dr. Andreas Fuls, Berlin

Dr. Maria Gaida, Berlin

Franziska Galinski, M.A.

Dr. Frank Garbers, Buxtehude

Dr. Eva Gerhards, Freiburg

Yan Geoffroy, Berlin

Dr. Barbara Göbel, Berlin

Peggy Goede, M.A., Berlin

Dr. Christopher M. Götz, Mérida (Mexiko)

Philip Gondecki, M.A., Bonn

Matthias Gorissen, M.A, Hannover

Dr. Daniel Graña-Behrens, Bonn

Harald Grauer, M.A., Bonn

Prof. Dr. Nikolai Grube, Bonn

Iris Gruber-Beerfeltz, Dipl.-Verw.wiss., M.A., Berlin

Dr. Antje Gunsenheimer, Bonn

Sven Gronemeyer, M.A., Bonn

Oliver Hans, Bonn

Dr. Dagmar Hänel, Bonn

Dr. Claudine Hartau, Hamburg

Christian Heck, Bonn

Dr. Jürgen Heck, Sprockhövel

Matthias Heckel, M.A., Hamburg

Dr. Meike Heckt, Buxtehude

Dipl. Ing. TH Hermann J. Hendrich, Graz

Armin Hinz, M.A., Hamburg

Simon Hirzel, Bonn

Informationsstelle Lateinamerika e.V. (ila), Bonn

Interdisziplinäre Arbeitsgruppe Mayaforschung, Graz

Annette Kern, Hamburg

Stephanie Kirsch, Bonn

Christian Klingler, M.A., Bonn

Prof. Dr. Ulrich Köhler, Freiburg

Romy Köhler, M.A., Berlin

Prof. Dr. Viola König, Berlin

Roswitha Koenitz, M.A., Berlin

Katrin Kopka, Bonn

Karl Kramer, Hamburg

Dr. des. Hans Jürgen Kremer, Mönchengladbach

Guido Krempel, Bonn

Dr. Peter Kroefges, San Luis Potosí (Mexiko)

Felix Kupprat, Bonn

Dr. Sabine Lang, Christiansholm

Catherine Letcher Lazo, M.A., Bonn

Monique Lorberg M.A., Hamburg

Susen Lucke, Bonn

Julie Ludwig, Berlin

Hans Magis, Bonn

Eva Mayer, M.A., Bonn

Mesoamerika-Gesellschaft Hamburg e.V.

Dr. Helga-Maria Miram, Hochdonn

Michaela Mitzam, M.A., Bonn 

Dr. Axel Neurohr, Sinzig

Andrea Nicklisch, M.A., Berlin

Prof. Dr. Karoline Noack, Bonn

Dr. Kerstin Nowack, Bonn

Prof. Dr. Anika Oettler, Marburg

Dr. Iken Paap, Berlin

Carlos Pallan, M.A., Bonn

Karin Philipp, Bonn

Karin Pläschke, M.A., Hamburg

Christian Prager, M.A., Bonn

Prof. Dr. Hanns J. Prem, Bonn/Genf

Proyecto Arqueológico Uxul, Bonn

Jürgen Putz, Köln

Karla Ramirez Rosas, M.A., Bonn

Dieter Richter, Guatemala

Prof. Dr. Berthold Riese, Guangzhou, VR China

Alicia Rivero, Bonn

Vanessa Rodens, M.A., Guatemala/Bonn

Stephan Rohde, Troisdorf Bergheim/Bonn

Dr. Elke Ruhnau, Berlin

Andrea Ruf, M.A., Berlin

Lic. phil. Werner Rutishauser, Schaffhausen

Dr. Frauke Sachse, Bonn

Thomas Sambale, M.A., Bonn

Prof. Dr. Bernd Schmelz, Hamburg

Franziska Sedlak, Bonn

Prof. Dr. Ortwin Smailus, Hamburg

Wolfram Sperber, M.A., Mainz

Susanne Spieker M.A., Hamburg

Katja Christiane Stengert, M.A., Hamburg

Tobias Tenhaef, M.A., Bonn

Dr. Stefanie Teufel, Köln

Prof. Dr. Ursula Thiemer-Sachse, Potsdam

Mirko Uhlig, M.A., Bonn

Dr. Mark Van Stone, Ph.D., G.F., Professor of Art History, Chula Vista, CA

Ulrich Verhülsdonk, M.A., Köln

Sebastian Schwarz, Bonn

Dr. Jennifer von Schwerin, Bonn

Elisabeth Wagner, M.A., Bonn

Elke Wagner, M.A., Irrel

Dr. Robert Wald, PhD., Austin, TX

Dr. Estella Weiss-Krejci Univ.-Doz., Wien

Christine Winter de Velarde, Dipl.-Übersetzerin, Bonn

Dipl.-Inf. Ulrich Wölfel, M.A., Bonn

Anna Wornowski, M.A., Bonn

Dipl.-Ing. Andeas Wüstefeld, Hamburg

Eriko Yamasaki, M.A., Bonn

Eva Youkhana, Bonn

Christina Zander, M.A. Bonn

Claudia Zehrt, M.A., London

Werner Zien, Bonn

Melanie Zimmermann, Bonn

Dr. Patricia Zuckerhut, Wien